Kritik


Aber da ist auch "eine intellektuelle Widerständigkeit, die an den eigenen Behauptungen zweifelt und den eigenen Ernst unterläuft - erst recht die Versuche anderer, ein Bild auf dieses oder jenes Bedeutungsvolle festzunageln. Diese befreiende Ironie liegt im Clinch mit der Versuchung zur Bildung letzter Zeichen, zu einem Erlebnis, das es gar nicht mehr gibt: dass eine letzte Bedeutung in der hinfälligen Schrift des Sichtbaren durchbrechen möge. Diese alte Sehnsucht nach Bekehrung muss nicht sein, sagt die Ironie..."

D. Hoffmann-Axthelm, Berlin


"Eine weiterführende Überlegung wäre, ob die Bilder von Thomas Richter nicht auf ihre Weise an der Erkenntnis mitarbeiten, dass das Schöne aus der Korrespondenz des Sichtbaren mit dem Unsichtbaren kommt und damit jede Verstehensabsicht unterlaufen. Es wäre ein Hinweis auf eine neue Aporie, nämlich die der Sichtbarkeit im Unsichtbaren oder eben der Sicherheit im Unsicheren."

Reinhard Knodt, Nürnberg


Texte aus: "Schnittwelten", Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Erlangen 2001

Anmerkungen


Statement zur Ausstellung in der Galerie im Rathaus, Hohemstein-Ernstthal 2015

Als Kunstmacher in den Siebzigern schaut man schon mal zurück, warum man das, was man macht, so macht, wie man es macht. Bei dieser hübschen Beschäftigung fiel mir auf, dass das nicht aufhörende Produzieren in Kunst ein Ergründen und Erfinden von Räumen ist.

Wie geht es zu in diesen Räumen, wie stellt sich Sein/Befinden dar? Lässt sich das Ganze bei welcher Aufmerksamkeit und mehr oder weniger Hinnehmen, Verweigern, Dazutun leben? Da geschieht Staunen über Raumerleben, wie es sich als glücklich Altvorhandenes oder gerade sichtbar Werdendes anbietet oder es mit Schrecken aus Unaufmerksamkeit und Verdrehungen vergiftet wird.

Die Räume sind Architekturen, malerisch aktiviert, konkret oder informell. Da wollen/sollen in so belebten Räumen Perspektiven zum Besseren sichtbar werden in der Poesie des an-sich-Seienden und auch im Verweis auf Verwüstung in der Folge von Verhärten und Verweigern. Nennen wir es: Ansichten im Uralt – Neuen: Landschaften, Gesichter und Gesichte, Geschehen, Betrachtungen.

So hätte sich meines Vaters Wunsch doch erfüllt, in alter Familientradition dem Beruf der Architektur treu zu bleiben. Wenn auch in anderer "Art" als gedacht.

Hintergrundthema in allen Arbeiten ist immer die Reflexion von Welt und Leben, Desaster und das "Esse!", schrecklich und schön als miniziöse Bestandsaufnahme bis zur Immotion Painting des l`art pour l`art, wo es nicht zwangsweise um die Darstellung eines bestimmten Themas geht und noch weniger darum, damit über das zu schaffende Objekt hinaus mittels diesem etwas folgend Effektives erreichen zu wollen. Und schnell ist der "Kenner" mit der Bezeichnung abstrakt zur Hand. Vorschnelle solche Stilstigmatisierungen seitens der Kunstwissenschaft führen oft in die Irre.
Thema und Stil können eins sein.
Dann kann eine reine Form- und Farberfahrung als realer Fakt verstanden werden.. Also: Informelle Malerei erfüllt bei intensiver Erfahrbarkeit durchaus die Kriterien des Realismus. Ich nenne solche Arbeiten MANDALA oder ähnlich. Sie sind Metapher für Gebet oder Meditation, Bewusstseinsarbeit ohne Bezug auf ein traditionelles Subjekt, gemalt am Tun entlang.